Weihnacht
Weihnacht, wunderbares Land,
Wo die grünen Tannen,
Sternenflimmernd rings entbrannt,
Jeden Pilger bannen!
Pilger so und Pilgerin,
Mutter, Mädchen, Knabe,
Halten Rast mit weichem Sinn,
Daß ihr Blick sich labe.
Staunen in den trauten Glanz
Traumesnachtumfangen,
Himmlisch scheint der Lichterkranz
Irdischem Verlangen.
Glücklich kindlicher Gesang
Schwebt um heil’ge Hügel,
Schwebt die bess’re Welt entlang,
Schneeweiß seine Flügel.
Friedevollen Geistes Macht
Sehnt sich, zu verbünden,
Ueber aller Niedertracht
Muß ein Licht sich zünden.
Lebens immergrüner Baum
Trägt der Liebe Krone —
Und ein milder Sternentraum
Küßt die starrste Zone.
Am häuslichen Herd (Zürich), 3. Jahrg., 1900, Heft 3, S. 65. Online
